Happy Birthday, King of Watlz!

Die Strauss-Statue im
Wiener Stadtpark gehört zu
den meistfotografierten
Motiven der Stadt.

2025 feiert Wien ein ganzes Jahr lang den 200. Geburtstag von Johann Strauss. Wie der große Komponist so erfolgreich wurde, was es über sein Werk zu wissen gilt und wo in diesem Jahr die besten Jubiläumsveranstaltungen stattfinden, verraten wir Ihnen hier.

Text
JÖRG BERTRAM

Vater oder Sohn? Das ist stets die Frage, wenn von „Johann Strauss“ die Rede ist. Schließlich verbindet beide nicht nur derselbe Vorname, sondern auch die gleiche Lust an der Musik. Deshalb kurz und „in Prestissimo“: Johann Baptist Strauss (der Vater) wurde 1804 in der Wiener Leopoldstadt geboren, galt mit Anfang 20 bereits als erfolgreicher Musiker, gründete das erste „Reiseorchester der Welt“, glänzte als k. k. HofballMusikdirektor, zeugte 14 Kinder und geriet mehrfach ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt. Ein „wilder Hund“ also – was aus dem Urwienerischen übersetzt ungefähr so viel wie „ein wahres Genie“ bedeutet. Als Papa Strauss mit 45 Jahren an Scharlach verstarb, hinterließ er der Welt nicht weniger als 152 Walzer, 32 Quadrillen, 13 Polkas sowie 17 zackige Märsche, darunter den weltberühmten Radetzky Marsch. Und jetzt weiter „in Andnte“, jenem Tempo, das mit 76 bis 108 Beats per Minute übrigens auch ziemlich nah an das eines langsamen Walzers herankommt: Johann Baptist Strauss (der Sohn) erblickte am 25. Oktober 1825 im heutigen 7. Wiener Gemeindebezirk das Licht der Welt. Sein musikalisches Talent offenbarte sich früh, so soll er beispielsweise bereits im zarten Alter von sechs Jahren seine ersten Walzervariationen aufgeführt haben. Warum der große Johann trotzdem darauf bestand, dass der kleine zunächst mal aufs Polytechnische geht und „was G’scheites“ studiert? Wahrscheinlich weil er schon früh erkannte, dass da in der eigenen Familie ein ernst zu nehmender Gegenspieler heranwächst!

Die erste „Opernsoirée“ in der Staatsoper fand 1877 unter der musikalischen Leitung von Johann Strauss statt. Viele seiner mehr als 150 Walzer werden auch heute noch beim Opernball gespielt.

Wandeln auf den Spuren des Walzerkönigs: Die Johann-StraussWohnung in der Praterstraße 54 ist heute ein sehenswertes Museum.

In der Johann-Strauss-Wohnung wurde auch der
weltberühmte Donauwalzer komponiert.

Mit 18 Jahren verlässt Strauss jun. die Hochschule ohne Abschluss und widmet sich fortan seiner musikalischen Karriere. Erste große Auftritte versucht der Vater noch, behördlich verbieten zu lassen, bleibt damit jedoch erfolglos. Obwohl beide ein unterschiedliches Publikum ansprechen – der Alte das wohlsituierte Bürgertum, der Junge die Studentenschaft und die, die lieber im Gasthaus als im Ballsaal feiern –, werden die Misstöne zwischen ihnen immer lauter. Im Revolutionsjahr 1848 wendet sich Johann Strauss Sohn zunächst den Aufständigen zu, komponiert „Freiheitslieder“ und „Studentenmärsche“, wird nach dem Tod seines Vaters aber nicht nur Teil des kaisertreuen Establishments, sondern auch europaweit gefeierter Konzertreisender und im Jahr 1863 ebenfalls k. k. Hofballmusik-Direktor. Statt fortan nur noch in Walzerseligkeit zu schwelgen oder „Geschichten aus dem Wienerwald“ zu intonieren, entdeckt Strauss in dieser Zeit das Operettengenre für sich. Zu seinen berühmtesten Bühnenwerken gehören „Die Fledermaus“, „Der Zigeunerbaron“ oder „Eine Nacht in Venedig“. Weniger bekannt ist ein weiteres Dutzend Dreiakter, in denen es um Liebe, Lust und Leidenschaft geht. Womit wir auch schon beim Thema „Frauen“ wären: Als erster Popstar verstand es Johann Strauss, deren Herzen nämlich im Stakkato-Takt zu brechen. Aristokratinnen, Kaufmannstöchter, Sängerinnen, Schauspielerinnen … Die Liste ist lang. Relativ kurz ist jedoch die Zeit, die er mit seiner letzten Frau verbringen durfte – und der er, vielleicht in Vorahnung, die Liedzeile „Lass uns lustig sein Adele – on ne vit qu’une fois“ widmete. Zum letzten Mal hob Johann Strauss am 22. Mai 1899 in der Wiener Hofoper den Dirigentenstab. Nur zwölf Tage später, am 3. Juni, verstarb er an den Folgen einer Lungenentzündung. Ganz schön viel Leben also, das Wien da im Jubiläumsjahr mit ganz schön vielen großen Künstler:innen und Orchestern aus den unterschiedlichsten Genres feiert. Indoor, aber auch auf dem Zentralfriedhof, „an der schönen blauen Donau“ oder an anderen außergewöhnlichen Orten in allen 23 Bezirken. Johann Strauss hätte bestimmt seine Freude daran gehabt. Schließlich heißt es in seiner Fledermaus ja schon: „Ich lade gern mir Gäste ein, man lebt bei mir recht fein“!